Ethik der Jagd – Sprachlosigkeit der Jagdverbände!

Die moderne deutsche Jagd erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Im Jahre 2024 durften ca. 471000 Menschen, 90000 mehr als noch 10 Jahre zuvor, bewaffnet in Wald und Feld umherstreifen, und haben in dem Jahr auch, neben anderem Getier, ca. 1,3 Millionen Rehe und ca. 550.000 Wildschweine erlegt.

Aber weil die Jagd eben Wildtiere tötet, wird sie von sehr vielen Menschen abgelehnt – ihre Zahl nimmt zu, und sie organisieren sich immer mehr im Internet und auf der politischen Ebene und nehmen an Wirksamkeit zu. Gleichzeitig wird die deutsche Jagd auch durch innere Vorgänge immer mehr verändert und sogar in Frage gestellt.

Umso verwunderlicher ist es, wie weitgehend sprachlos die Jägerinnen und Jäger, insbesondere aber die Organisationen der Jägerschaft, sind, wenn es um die Erklärung und Rechtfertigung der Jagd geht – wenn man sich die Podiumsdiskussion über „Leben nehmen – Verantwortung tragen“ auf dem Bundesjägertrag 2025  des Deutschen Jagdverbandes (DJV) anhört, dann hat man nach einer Stunde viel gehört und nichts mitgenommen. Andere Diskussionen erschöpfen sich in wenig sachkundigen Plattitüden und wohlfeilen Leerformeln.

Jagdethik v. Tierethik

Wie jedes menschliche Handeln in einer zivilisierten Gesellschaft unterliegt die Jagd auf Wildtiere nicht nur strengen Rechtsregeln, sondern muss auch ethisch vertretbar sein – schließlich ist das Tier nicht mehr nur eine Sache, sondern ein Mitgeschöpf. Ethik ist bekanntlich die philosophische Betrachtung von moralischem Handeln, von Werten und Normen, um Kriterien für gutes, gerechtes und verantwortungsvolles Verhalten zu begründen Die Jagdethik, die zu einem großen Teil seit längerer Zeit schon in den tradierten „Grundsätzen der deutschen Weidgerechtigkeit“ enthalten war, enthält die Grundsätze, wie der jagende Mensch sich gegenüber dem Mitgeschöpf Wildtier, das er u. a. tötet, zu verhalten hat; darüber hinaus gelten ethische Postulate für den Jäger in Bezug auf seine Umwelt, das Biotop, in dem die Wildtiere leben, sonstige Lebensbedingungen des Wildes, und das Verhalten anderen Menschen gegenüber.

Damit im Konflikt steht die Tierethik, die sich mit der Frage befasst, was das Tier ist, welche Bedürfnisse und Rechte es hat, und wie moralisch (oder unmoralisch) es eigentlich ist, das Mitgeschöpf Tier zu Zwecken des Menschen zu töten. Während also die Jagdethik die Bedingungen, Grenzen und Rechtfertigungen für das Töten auf der Jagd zur Verfügung stellt, hinterfragt die Tierethik die Berechtigung des Tötens an sich. Die Jagdethik legitimiert sich somit innerhalb enger und komplexer Grenzen und Lebensbedingungen selbst, während die Tierethik, in der extremen Form der Tierrechtsbewegung, die Berechtigung des Tötens als Verstoß gegen das Recht des Tieres auf Leben in Frage stellt.

Am Anfang der Menschwerdung stand die Jagd

Vor ca. 1,7 Millionen Jahren begann der Frühmensch zu jagen und leitete damit die Evolution ein, die ihn zum homo sapiens und damit zum modernen Menschen werden ließ. Das nennen wir die „venatorische“, die jagdbezogene, Revolution. Denn die Jagd auf großes, schnelles und häufig wehrhaftes Wild erforderte die Organisation, Kooperation und Kommunikation großer Jagdgruppen. So entwickelten sich Über- und Unterordnungsverhältnisse, Generalisten und Spezialisten, Signale und Sprache, Einfühlung in Tiere und Mitmenschen und gleichzeitig das „Selbst“-Bewusstsein. Durch den erhöhten Fleischkonsum wuchs das Gehirn und mit ihm wuchsen die kreativen Fähigkeiten, die einerseits zur Entwicklung genialer Werkzeuge und Jagdwaffen (Speerschleuder, Pfeil und Bogen) und andererseits zu beachtlichen kulturellen Leistungen (Höhlenmalereien usw.) führten. Etliche Fachdisziplinen haben zwar die Man the Hunter-Theorie kritisiert oder bezweifelt, doch sie beeinflusste die populären und wissenschaftlichen Vorstellungen der Menschwerdung nachhaltig und hat das Argument der historischen Plausibilität für sich.

Später, in der sog. neolithischen Revolution, wurde die Jagd dann weitgehend von Ackerbau und Viehzucht abgelöst, und wurde dann Training, Sport, und Freizeitvergnügen, wurde höfisches Vergnügen und Privileg der Hochgestellten, und diente sowohl zur militärischen Ertüchtigung als auch zum Schutz gegen Wildtiere.

Noch später aber, mit der insoweit erfolgreichen Revolution von 1848, kehrte die Jagd zurück in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft. Sie wurde – wieder – Allgemeingut und offen für alle Stände, und damit gesamtgesellschaftlich. Die „Weidgerechtigkeit“ wurde jagdethisches Gebot, und heute sind Biodiversität, Nachhaltigkeit und Tierschutz die Grundpfeiler der modernen Jagd. Diese ist unverzichtbarer Bestandteil der Kulturlandschaft, sie verbindet die Jagd auf unser Wild mit dessen Hege und der Hege seiner Lebensumstände.

Die Jagd ist heute also Kulturgut. Und da sie untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden ist, genießt sie sogar den Schutz unserer Verfassung.

Also: warum jagen wir?

Es dürfte inzwischen unter Anthropologen und Evolutionsforschern nicht mehr streitig sein, dass in jedenfalls einen geringen Anteil der Bevölkerung immer noch ein genetisch veranlagter Jagdtrieb aus grauer Vorzeit überkommen ist – er hat mit der venatorischen Revolution dazu geführt, dass wir uns aus dem frühen Hominiden zum Homo sapiens mit mächtigem Gehirn entwickeln konnten. Der Jagdtrieb geht dabei über den Trieb zur Erlegung von Tieren hinaus. Er kann nicht die Jagd an sich in der heutigen Zeit allein oder überwiegend legitimieren, aber er erklärt, warum es Menschen gibt, die gern jagen. Ebenso berechtigt sind die Menschen, die das nicht wollen – so ist das „Gesetz, nach dem wir angetreten“, jeder für sich. Das damit zusammenhängende Ur-Prinzip des „Fressen und Gefressen werden“ ist gleichermaßen erhellend. Denn es war ja nicht der Mensch, der dem gesamten Leben auf dieser Welt genau dieses Prinzip verschrieben hat – dieses „Stirb und Werde“, nach welchem das gesamte Leben auf diesem Planeten abläuft, und zwar schon immer. Und nachdem der Mensch große Bereiche dieser Welt in die sog. „Kulturlandschaften“ verwandelt hat, muss er diese ordnen, managen und weiterentwickeln; dazu gehört die Jagd als Instrument, Aufgabe und Verantwortung.

Die Nutzung ist somit ein Grundprinzip der Natur und damit auch eine „ethisch obligate Ur-Legitimation der Jagd“.

Ein weiteres Argument hört man leider nie. Dabei ist es schlagend und zudem leicht vermittelbar: die heutige bürgerliche Jagd ist ein direkter Ausdruck der Sozialbindung des Grundeigentums in unserer Verfassung. Die Tiere, und unter diesen natürlich auch das Wild, sind in der Verfassung nach Art. 20a GG geschützt, sie sind ein Kulturgut, ohne das die Kulturlandschaft nicht sein kann. Das Jagdrecht ist seit der bürgerlichen Revolution von 1848 ein wesentlicher Bestandteil des Eigentums an land- forst- oder fischereirechtlich nutzbaren Grundstücken, mit diesem untrennbar verbunden, und kann deshalb nicht Gegenstand eigener Rechte sein. Damit nimmt das Jagdrecht, mit ihm das Jagdausübungsrecht, und mithin auch die Jagd selbst am Grundrechtsschutz des Art. 14 GG teil. Der Jäger „dient dem Wohle der Allgemeinheit“ nach Art. 14 GG, wenn er „einen gesunden und artenreichen Wildbestand unseres heimischen Wildes, das ein unverzichtbarer Teil unserer Kulturlandschaft ist, im Einklang mit dem jeweiligen Biotop und unter Berücksichtigung der Belange der Land- und Forstwirtschaft hegt und erhält“.

Auch heute noch ist die bürgerliche Jagd ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Ohne dass der öffentlichen Hand, und damit dem Steuerzahler, über die Jagdverwaltung hinaus spürbare Kosten entstehen, investieren Jäger und Jägerinnen in Deutschland jährlich zusammen in alle Aufwendungen Kosten und Leistungen ca. 2 Milliarden EURO.  Zudem spielt Wildbret (das Fleisch von freilebenden dem Jagdrecht unterstellten Tieren wie Reh, Wildschwein, Rotwild) in der deutschen Volkswirtschaft eine zunehmend wichtige Rolle als nachhaltiges regionales Lebensmittel. In der Jagdsaison 2023/24 wurden in Deutschland rund 26.951 Tonnen einheimisches Wildfleisch vermarktet.

Der DJV und die Jagdethik

Am 9. Februar 2026 hat der DJV die Präsidenten und Geschäftsführer der Landesjagdverbände zu einem zweitägigen WorkshopEthik in der Jagd“ am 7. und 8. März in das Schloss Rattey eingeladen. Grundlage sollte ein „Basispapier“ zur Jagdethik des Bundesjägertages 2025 sein – gemeint ist wohl das Diskussionspapier vom 4.6.2025, das sich allerdings in allgemeiner Weise äußert, die Tierrechtsbewegung überbetont, aber gleichzeitig erkennbar die dazu bereits geleistet Arbeit nicht kennt.

Erarbeitet werden soll ein Basispapier für den Bundesjägertag 2026.

Dieses Papier muss es inzwischen geben, aber es ist erkennbar geheimer als die Verteidigungsstrategie der Bundeswehr – man darf gespannt sein. Denn was man bislang so sieht und hört – s. youtube – macht nicht besonders hoffnungsfroh. Herr Rechtsanwalt Dr. Asche, Autor der Einladung und des Impulsvortrags auf dem workshop, hat auf unsere freundlichen Hinweise auf die Positionen und Veröffentlichungen des „Forum Lebendige Jagdkultur“ zu Jagdethik und Tierethik bislang nicht einmal geantwortet.

Aber beredtes Schweigen sind wir ja schon gewohnt.

Das Forum Lebendige Jagdkultur

Nun sind allerdings die Jagdkultur und mit ihr die Jagdethik und Tierethik im Forum schon seit langem wesentlicher Teil der Arbeit und der Publikationen. Erst kürzlich ist ein beachtliches Buch „Ethik für Jäger“ des ehemaligen 1. Vorsitzenden des Forum erschienen.

In der vor wenigen Tagen zuende gegangenen Jahrestagung 2026 des Forum standen wieder Fragen der Jagdkultur und der Jagdethik im Fokus. Wir haben referiert mit dem Beitrag

Wildmanagement, Hobbyjagd oder Jagdverbot – Argumente auf dem Prüfstand

(Ist die moderne deutsche Jagd noch zeitgemäß, muss sie verändert werden, oder gehört sie abgeschafft?)

Download:

Vortrag 2026

Wir sind gespannt, wie sich der DJV auf dem Bundesjägertag am 3. und 4. Juli 2026 in Suhl dazu äußern wird.

Es kann eigentlich nur besser werden.

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

 

Der Hund und die Karawane

Der Entwurf der Novelle zum Bundesjagdgesetz des BMEL (unser voriger Blogpost) kommt bisher nicht so gut an – richtig so. Aber wir wissen: Die Hunde bellen und die Karawane aus BMEL, Forstpartie und ÖJV zieht unbeirrt weiter.

Leider.

Das ist deshalb nicht verwunderlich, weil Frau Klöckner, jedenfalls aber ihre maßgebliche Ministerialbürokratie, offensichtlich – und unter grober Verletzung der Neutralität und Objektivität, die ein Ministerium allen Interessengruppen gegenüber an den Tag legen sollte – voll auf der Seite nicht nur der Forstpartie, sondern sogar des Lobbyzwerges ÖJV steht.

Ist das so?

Klar, sieht man deutlich. Denn:

Inzwischen hat Frau Klöckner eine ganze Reihe hochkarätiger „Offener Briefe“ zum Jagdrecht und zur Jagd auf Schalenwild erhalten [1]. Auf keinen dieser Briefe hat sie geantwortet – das ist zwar unhöflich, aber jedenfalls konsequent.

Oder?

Leider nur unhöflich. Denn auf einen (sachlich höchst angreifbaren!)  Brief hat sie geantwortet, und zwar sehr lieb und mit persönlich handschriftlicher Anrede an die „sehr geehrte Frau Bundesvorsitzende, liebe Frau Emmert [2]. Das beweist, wo das BMEL von Frau Klöckner tatsächlich steht.

Man liebt beim BMEL offensichtlich den Ökologischen Jagdverband!

Und wer ist das? 1988 gegründet, seitdem ist Frau Emmert Vorsitzende, und der ganze Trupp hat 2800 Mitglieder – der Deutsche Jagdverband hat demgegenüber 250623 (!) Mitglieder, und das sind immer noch nicht alle Jäger, die in Deutschland insgesamt auf über 383.000 geschätzt werden. /Zum ÖJV auch unser blogpost  „Cervantes: der Don reitet wieder“ vom 23. Mai 2019)

Aber in der Dämmerung werfen eben auch Zwerge große Schatten.

Vielleicht erreichen wir die Frau Ministerin aber mit Poesie über den ÖJV.

  • Waldesstille

  • Kein Rehwild zieht am Waldesrain,
  • die Amseln warnen nur zum Schein.
  • Die Mücken ziehen ihre Runden,
  • sie haben noch kein Tier gefunden.
  • Kein Ast, der unter Schalen bricht,
  • denn tote Stücke wechseln nicht.
  • Von allem Wild das zog im Wald
  • ist lang der der letzte Laut verhallt.
  • Vom Hirsch der schöpfte an der Quelle –
  • nur eine graue Fegestelle.
  • Vom Damwild, das man zahlreich sah
  • ist nicht ein einziges mehr da.
  • Still ruht der Teich im Mondenschein
  • Denn an der Suhle ist kein Schwein.
  • Im Schilf im Bruch auch keine Sau-
  • Ach so –

  • ich bin beim ÖJV.

Aber, liebe Weidgenossen: der Hund bellt und …!

Geschenkt!

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

Fussnoten:

[1]          https://www.jawina.de/offener-brief-der-jaegervereinigung-oberhessen-an-          bundesministerin-kloeckner/

https://www.jagderleben.de/sites/default/files/2020-       05/Brief_Bundesministerin_Julia_Klo%CC%88ckner.pdf

https://jagdrechtsblog.com/offener-brief-an-frau-kloeckner-zum-  mindestabschuss/

[2]           Stellungnahme von Bundes-ÖJV und ÖJV Bayern

ÖJVStellungnahmeW2050-BJagdG.pdf

 

Cervantes: Der Don reitet wieder!

Eckhard Fuhr, ein kluger, eindrucksvoller und wortmächtiger Journalist, hat der TAZ am 19. Mai ein Interview gegeben. Das trägt die schöne Überschrift: „Jagdtrophäen sind Staubfänger“. Damit hat er natürlich Recht und tausende von Hausfrauen hinter sich.

Weil er aber auch stellvertretender Vorsitzender des ökologischen Jagdvereins Brandenburg (ÖJV) ist, legt er gleich mal die rhetorische Lanze ein und reitet gegen die Windmühle der im deutschen Jagdverband (DJV) organisierten Jäger an – mit 4000 Mitgliedern des ÖJV hinter sich und, um die Mühle rum, mehr als 250000 sogenannte traditionelle deutsche Jäger vor sich. Pauschal und völlig undifferenziert bezichtigt er sie einer „Loden-Subkultur mit … Brauchtumsgeblase und -getute“. Als guter Journalist lässt er das natürlich nicht so stehen, sondern erläutert es in unerschütterlicher Selbstgerechtigkeit mit der Information: „Viele stehen sich mit ihrer Sonderkultur im Weg. Ihnen geht es um die Tradition und die Trophäen. Eine fragwürdige Orientierung, aber für viele so identitätsstiftend…“.

Dann lehnt er noch die Hege ab, weil er meint, die diene ausschließlich dazu, hohe Wildbestände und damit Trophäen heranzuzüchten – eine für einen klugen Journalisten erstaunlich unreflektierte Übernahme dümmlicher Argumente von Jagdgegnern.

Da bleibt es dann nicht aus, dass er in diesem Zusammenhang wieder das inzwischen weitgehend widerlegte Totschlagargument der sogenannten „überhöhten Wildbestände“ herauskramt und als Fazit feststellt, die Jagd müsse forstlichen Zwecken dienen. Dass sein Credo „Wald vor Wild“ nicht nur zweifelhaft ist, sondern inzwischen bei der Forstpartie durch „Wald ohne Wild“ ersetzt wird, hat er erkennbar noch nicht mitgekriegt!

So weit so gut – oder besser: intellektuell etwas simpel!

Kleider machen Leute, oder?
 

Ich muss zugeben: ich liebe Sarkasmus und unfaire Polemik, aber nur, wenn sie mit etwas Humor daherkommt; das unterscheidet mich, glaube ich, von der bierernsten Polemik des Herrn Fuhr.

Deshalb ist es sicherlich unfair, zu glauben, dass Kleider Leute machen. Oder ist da doch was dran? Herr Fuhr erscheint zum Interview in einer knallroten Radfahrerjacke, allerdings glücklicherweise aus Wolle – guter ökologischer Fußabdruck! Warum er Loden nicht mag, auch guter ökologischer Fußabdruck, erklärt er nicht.

Zur Radfahrerjacke trägt er eine rote Mütze. Die ist leider im Beitrag nicht abgebildet. Tatsächlich ist sie aber von einem einigermaßen gemeinen Rosa, wie man auf dem Bild sehen kann. Allerdings trägt er sie mit dem Schirm nach vorn und ohne dümmliche Aufschrift, womit er sich jedenfalls von der Masse der Basecap tragenden Vollpfosten wohltuend abhebt.

Na ja – wir leben in einem freien Land und letztlich kann sich jeder auch auf der Jagd anziehen, wie er möchte.

Die Sache mit der Jagd
 

Wer, wie ich, Herrn Fuhr in Wort und Schrift öfter begegnet ist, weiß, dass er offenkundig ein guter Jäger ist. Außerdem ist er erkennbar auch ein guter Journalist (s. auch unseren Blogbeitrag vom August 2014: „Tierrechte – Totschlagargument gegen die Jagd?). Ich selbst halte mich für das, was man einen modernen traditionellen Jäger nennen würde, und habe viele Jagdfreunde, und kenne in den beiden Vereinigungen, denen ich angehöre, nämlich dem „Deutschen Jagdrechtstag“ und dem „Forum lebendige Jagdkultur„, viele Jäger, die so denken und jagen wie ich. Für uns gehören Jagd und Hege untrennbar zusammen, unser „Grundgesetz“ ist der § 1 des Bundesjagdgesetzes in der noch besseren Formulierung des § 1 des brandenburgischen Landesjagdgesetzes. Danach ist Wild ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Es ist als unverzichtbarer Teil der natürlichen Umwelt in seinem Beziehungsgefüge zu bewahren. Der Schutz des jagdbaren Wildes und seiner Lebensräume ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Deshalb wundert es mich, warum Herr Fuhr so argumentiert, wie er das tut. Was hat die Jagd an sich, dass sie Gegnerschaft erzeugt, die häufig unter dem intellektuellen Niveau derjenigen liegt, die sich da gegenüberstehen. So hat unser beliebter Volksphilosoph, Richard David Precht, ein Buch geschrieben mit dem Titel „Tiere denken“. Das ist zwar ziemlich langatmig, und die Fortsetzung eines früheren ebenfalls langatmigen Buches, aber insgesamt sehr kenntnisreich und gut geschrieben.

Bis auf das Kapitel über die Jagd. Das ist – halten zu Gnaden – derart dämlich, dass man mit Fug den Eindruck haben kann, Herr Precht hätte das gar nicht selbst geschrieben.

Eigentlich geht es uns Jägern damit wie der Maus: die hat keine Freunde, sondern nur Feinde. Aber, wie gesagt, 4000 hinter Herrn Fuhr und mehr als 250000 von uns. Hätte ich deshalb nicht besser das Interview in der TAZ einfach totschweigen sollen? Wahrscheinlich ja – aber „wes das Herz voll ist, des geht der Mund (oder das Schreibsystem) eben über (Lukas 6, 45/ Mathäus 12, 34)!

 

Nix für Ungut, Herr Fuhr! Oder »Nichts für ungut, gnädige Herrschaften; wir sind nur ungelehrte Bauersleute!« (Anette von Droste Hülshoff in „Die Judenbuche“ 1942).

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps (im grünen Loden !!)